Von 1982 bis 1990 vermittelte das Schülerradio (Schulradio) „Radio Planlos” (RPL) Medienkompetenz. An seiner Schule in Braunschweig gründete Michael Heinze als Lehrer mit seinen Schülern dieses Sprachrohr der Schülerschaft, das er dann bundesweit zum „Forum Schülerradio” ausweitete. Dieses belebte in den frühen 80ern die Medienszene der Republik und zog zahlreiche Gründungen von Schülerradios nach sich.
Zeitgleich gründete Michael Heinze am 19. Dez. 1981 mit Kollegen den „Verein zur Gründung eines Kommunikationszentrum in Braunschweig e.V.”. Die ehemalige Konservenfabrik „Brunsviga” wurde dann im Schulterschluss mit der Stadt Braunschweig Heimat eines innovativen Bürger-, Jugend- und Stadtteiltreffs, das bis heute bundesweit bekannt ist und erfolgreich arbeitet.
Die Initiatoren suchten damals freie Räume und Freiräume jenseits der etablierten öffentlichen und schulischen Möglichkeiten, wo eine intensivere Kulturarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen nicht behindert wurde. Das erste Stadtteilfest der Brunsviga am 8.5.1982 wurde beispielsweise mit der Technik von Radio Planlos aufgenommen.
Eine aktive Medienarbeit auch als Möglichkeit zur Verständigung zwischen lernenden Menschen europäischer Länder zu verstehen, hatte sich das Projekt „European Cultural & Language Audio Visual Exchange” als Ziel gesetzt. Die Realschule Volkmarode nahm in den Jahren 1982 bis 1985 unter aktiver Mitwirkung des Lehrstuhls für Schulpädagogik namentlich Johannes G. Wiese und Peter Schade-Didschies, die für die Videoproduktion vor Ort verantwortlich zeichneten und des Lehrstuhls für Englische Sprache und ihre Didaktik mit Herrn Prof. Peter Doyé daran teil. Suse Handzsuj und Michael Heinze produzierten mit ihren Schülern englischsprachige Tondia-Shows und Videos, um diese dann als audio-visuellen Brief an ihre Partnerschule in England mit der Post zu verschicken. Nach Wochen konnte auf eine audiovisuelle Antwort gehofft werden, die dann als Show im Atrium der Schule allen Schülern gezeigt wurde. Die Autoren dieses Projektes, Carol Lorac und Michael Weiss, publizierten die Ergebnisse als Buch und als Video, um Lehrern und Schülern in allen europäischen Ländern Mut zu eigenverantwortlichem Handeln und Produzieren ihrer Inhalte zu machen. [Videoauschnitte dazu findet ihr weiter unten]
Wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass bei dieser Art Arbeit nicht nur der kognitive Lernzuwachs enorm ist, sondern eben auch eine verstärkte Wahrnehmung von sozialem Verhalten und zwischenmenschlichen Beziehungen damit einher gehen. Die Verbesserung sowohl der verbalen als auch der nonverbalen Fähigkeiten beim produzierenden Lernen mit Medien ist heute längst Bestandteil beruflicher Qualifikation und Positionierung von Führungskräften und Akademikern - natürlich auch wegen der wesentlich intensiveren Verinnerlichung des Lernstoffes während der inhaltlichen Erarbeitung. Die Anforderungen an eine umfassende Medienerziehung konnte und kann ein Schülerradio in idealer Weise erfüllen.
Die bis zu 27 Jahre alten analogen Tonbandaufnahmen von RPL überlebten nun als mp3 „Pottcasts” und haben dabei an Witz, Aufrichtigkeit und Kampfgeist nichts verloren. NDR Plattenkiste, Berichte über die Geschichte des Schulzentrums Volkmarode (heute auch IGS Volkmarode), Abschreiben vom Nachbarn bei der Englischarbeit, Unterricht in Barkassenbooten weil die Schule mal wieder geflutet war und und und ... der Zeitgeist der 80er riecht aus jedem Pixel.
Im Sommer 2009 haben sich ehemalige Redakteure von „Radio Planlos” und „Radio Kaktus” der Neuen Oberschule (NO) beim Grillen getroffen und haben ihre Lebenserfahrungen miteinander ausgetauscht - manche sprechen darüber, wieder neue Sendungen zu produzieren. Aktuelle Interviews mit den ehemaligen Machern gibt es schon. Einem Gerücht zufolge, soll sich „Radio Kaktus” an der NO wieder neu gründen ...
RPL dankt der Presse, den Institutionen, Fachleuten, Kneipen und vielen Beratern, die uns bei der Aufarbeitung unserer Kultur- und Mediengeschichte im letzten Jahr geholfen haben. Doch dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.